Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

PD Dr. Olaf Briese

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PD Dr. Olaf Briese

DFG-Projekt: „‘Gesellschaft‘ versus ‘Staat‘. Frühanarchistische Gesellschaftskonzepte in Deutschland vor und um 1848“

Kurzvita

  • seit 2021: DFG-Drittmittelprojekt („Eigene Stelle“) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Thema: „‘Gesellschaft‘ versus ‘Staat‘. Frühanarchistische Gesellschaftskonzepte in Deutschland vor und um 1848“
  • 2014-2017: DFG-Drittmittelprojekt („Eigene Stelle“) an der Europa-Universität Frankfurt (Oder) zum Thema „Differierende Gefahrenwahrnehmung. Zur Gründung der ersten Berufsfeuerwehr Deutschlands in Berlin 1851“
  • 2008-2011: Stipendiat der Gerda Henkel Stiftung, Projekt: „Zur Ästhetik der Berliner Mauer (1961–1989). Systematische Analyse – historischer Vergleich“
  • WS 2009/10: Vertretungsprofessur am Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin
  • SoSe 2009: Vertretungsprofessur am Institut für Religionswissenschaft, Freie Universität Berlin
  • WS 2008/09: Vertretungsprofessur am Seminar für Ästhetik, Humboldt-Universität zu Berlin
  • WS 2006/07: Vertretungsprofessur am Institut für Religionswissenschaft, Freie Universität Berlin
  • 2004-2006: Mitglied des SFB 626 „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ an der Freien Universität Berlin
  • 2002-2008: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Religionswissenschaft der Freien Universität Berlin
  • seit 2002: Privatdozent am Kulturwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2002: Habilitation im Fach Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin,
  • 1997-1999: Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Drittmittelförderung) am Kulturwissenschaftlichen Seminar, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 1997/98: Research Fellow am Wellcome Institute for the History of Medicine, University of London
  • 1995-1997: Postdoktorand, Kulturwissenschaftliches Seminar, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 1994: Promotion im Fach Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 1990: Diplom Fach Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin

Projektbeschreibung

Hauptziel des Projekts ist die Analyse frühanarchistischer Konzepte von ‚Gesellschaft‘ in den Jahren vor und um 1848 (‚Gesellschaft‘ als ausdrückliches Positivum und dezidierte Alternative zu ‚Staat‘). Diese Konzepte wurden hauptsächlich veranlasst durch die Rezeption von Gesellschaftsvorstellungen, die Lorenz Stein (später: v. Stein) mit seinem Buch „Der Socialismus und Communismus des heutigen Frankreichs“ 1842 in Deutschland bekannt machte. Im Zuge der seit fünf Jahrzehnten im deutschen Sprachraum brachliegenden akademischen Anarchismus-Forschung sind auch diese Konzepte gänzlich unaufgearbeitet.

Der Forschungsschwerpunkt des Projekts liegt auf Zeitschriften und Zeitungen des ‚wahren Sozialismus‘, insbesondere ihrem langjährigen Hauptorgan „Trier’sche Zeitung“. Dadurch wird es möglich, ein neues Bild der frühsozialistischen Entwicklungen in Deutschland zu zeichnen, das anarchoide und anarchistische Leitlinien herausarbeitet und die Marxsche (und später marxistische) Legendenbildung nachhaltig konterkariert. Das Projekt belegt, wie ‚wahrsozialistische‘ Entwürfe in ihrer Verschränkung von theoretischer Produktion, avisierter Zielgruppe und tatsächlicher Rezeption mittels populärer Zeitschriften und Zeitungen von der entstehenden Arbeiterbewegung aufgenommen wurden und den sozialistischen Diskurs in den deutschen Staaten bis in die Revolution von 1848 hinein dominierten. Im Kern handelte es sich dabei um anarchoide bzw. anarchistische Positivkonzepte von ‚Gesellschaft‘, die eine ungeteilte Freiheit versprachen: von jeder ökonomischen und jeder staatlich-politischen Herrschaft. Nicht zuletzt die damit verbundene utopische Unschärfe machte ‚wahrsozialistischer‘ Entwürfe in der Handwerker- und Arbeiterschaft attraktiv, und auch das wird im Projekt herausgearbeitet.

Vom Material her liegt sein Schwerpunkt auf dem Gebiet der Zeitungsforschung – einem Stiefkind historischer Forschung im Feld von Philosophie und Politikwissenschaft. Es wird aussagekräftige Texte und Diskussionsstränge zum Komplex Gesellschaft/ Staat aus unausgewerteten Zeitungen und Zeitschriften für die Forschung neu erschließen und auf ihren anarchoiden und anarchistischen Gehalt hin untersuchen.

Einerseits sollen damit der im internationalen Vergleich unterentwickelten deutschsprachigen Anarchismus Forschung Impulse gegeben werden. Andererseits wird – in unabdingbarer Perspektiverweiterung auf internationale ‚klassische‘ und ‚nachklassische‘ Konzepte von Gesellschaft – gefragt, welche Rolle die anarchistische Basisalternative Gesellschaft versus Staat im ‚klassischen‘ Anarchismus (Kropotkin, Goldman) und in ‚revisionistischen‘ Neuentwicklungen (Bookchin) bis hin zu aktuellen anarchistischen Debatten (Graeber, van der Walt, Gordon) spielt. Das schließt auch die viel diskutierte Frage ein, ob ‚Gesellschaft‘ überhaupt noch als politisch-theoretisch relevantes Konzept anzusehen ist.

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