Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Dr. Sonja Asal

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Dr. Sonja Asal

DFG-Projekt: "Sitten in Staats- und Gesellschaftstheorien zur Zeit des Directoire (1795-1799)"

Kurzvita

  • Seit 10/2021: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt "Sitten in Staats- und Gesellschaftstheorien zur Zeit des Directoire" am Lehrbereich Politische Theorie und Ideengeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • 2008 bis 2019: Tätigkeit im Wissenschaftsmanagement
  • 2006 bis 2008: Geschäftsführende Redakteurin der "Zeitschrift für Ideengeschichte"
  • 2004: Promotion im Fach Philosophie an der Technischen Universität Dresden
  • Seit 2001: regelmäßige freie Mitarbeit und Rezensionen, u. a. in "Süddeutsche Zeitung" und "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
  • 1996-2001: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Projekt "Aufklärung und Aufklärungskritik in Frankreich" an der Technischen Universität Dresden sowie am Philosophischen Seminar der Universität Zürich; redaktionelle Mitarbeit am "Grundriss der Geschichte der Philosophie", Reihe 18. Jahrhundert
  • Studium der Philosophie, Romanistik und Germanistik in Freiburg/Br., Toulouse und Berlin; Magister im Fach Philosophie, FU Berlin

Publikationen


Asal_Publikationen_1021.pdf (286,5 KB)  vom 06.10.2021

Projektbeschreibung

"Sitten" als normierte Formen des gesellschaftlichen Umgangs, die zur Moderation von Konflikten in hoch dynamischen und zunehmend fragmentierten modernen Gesellschaften beitragen können, sind in den vergangenen Jahren vor allem im angelsächsischen Raum in Anknüpfung an die liberale Tradition vermehrt in den Fokus der Politikwissenschaft gerückt. Sitten tragen vielfach zur soziomoralischen Stabilisierung von Institutionen bei, haben jedoch im Vergleich zu formell-juristischen Regeln einen weitaus geringeren Grad an Verbindlichkeit. Vor diesem Hintergrund soll in dem Projekt die sozialintegrative Rolle von Sitten (mœurs) in politischen Theorieentwürfen aus der Spätphase der Französischen Revolution analysiert werden. Hierbei liegt der zeitliche Schwerpunkt auf der Phase des im Vergleich zur Revolutionsgeschichte insgesamt immer noch wenig erforschten Directoire (1795 bis 1799).

Vor dem Hintergrund der politischen Instabilität der spätrevolutionären Phase findet sich in Frankreich in dieser Zeit eine große Spannbreite an Staats- und Gesellschaftstheorien sowohl von republikanischen als auch von monarchistischen oder traditionalistischen Autoren, die davon ausgehen, dass die Legitimation des politischen Gemeinwesens nicht alleine aus der Kraft der Gesetze erfolgen kann, sondern die Unterstützung geteilter sozio-moralischer Überzeugungen und Praktiken erfordert. In die Analyse einbezogen werden die Werke u. a. von Louis Gabriel Ambroise de Bonald, Antoine-Louis-Claude Destutt de Tracy, Joseph de Maistre, Pierre-Samuel Dupont de Nemours, Louis Sébastien Mercier, Pierre-Louis Roederer, Jean-Baptiste Say oder Emmanuel Joseph Sièyes.

Das Vorhaben geht von der These aus, dass sich in der Verwendung von "mœurs" und "moral" seit Montesquieu zwei entgegengesetzte Begriffsdimensionen entwickeln. Demnach können Sitten einerseits als soziomoralische und soziokulturelle Voraussetzungen des politischen Gemeinwesens fungieren, doch artikuliert sich in ihnen andererseits auch die Freiheit der Bürger innerhalb des Staats. Der über das gesamte politische Spektrum geteilte Versuch einer politischen Aufwertung der Sitten im Untersuchungszeitraum stellt, so die Ausgangsthese, entgegen der bestehenden Forschung keinen umfassenden Rückgriff auf monistische Konzepte dar und mündet nicht in eine Überdetermination durch das Politische. Vielmehr soll gezeigt werden, wie in den untersuchten Ansätzen in der Auseinandersetzung sowohl mit republikanischen Traditionen wie auch unter Rückgriff auf die schottische politische Ökonomie eine Spannbreite an Modellen für das Verhältnis von Staat und Gesellschaft entwickelt wird. Diese reichen von liberal-republikanischen bis zu konservativen Ansätzen, sind skeptisch gegenüber bloß rechtlicher und wirtschaftlicher sozialer Integration und rekurrieren daher in veränderter Weise auf Sitten und Moral. Das Projekt soll auf diese Weise zugleich einen Beitrag zum Verständnis der Ausdifferenzierung der soziopolitischen Sprache an der Wende zum 19. Jahrhundert leisten.

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